Es sind nur noch wenige Tage, dann starten die Panther in eine neue Ära. Als Münchner Panther nehmen sie in der Regionalliga Anlauf zu Großem. Sie wollen wieder Profihandball in München etablieren. Dazu müssen sie nach dem bitteren Abstieg in der abgelaufenen Drittliga-Saison aber erst einmal ihrer Favoritenrolle in der Regionalliga gerecht werden. Die Kader-Aktivitäten im Sommer und die Vorbereitungsphase zeigten bereits, dass das kein unmögliches Unterfangen ist.
Ein Bundesliga-Profi kommt an die Amper
Personell haben sich die Panther in vielen Teilen neu aufgestellt, ohne dabei ihren Kern des Rudels aus dem Vorjahr zu verlieren. Cedric Riesner, Tom Notz, Konrad Steinbrecher, Alessandro Van de Maele, der neue Kapitän Lica Hasekamp, Laurin Günther, Kilian Weigl, Tom Elschner, Lucas Pichler, Felix Müller, Anton Ehrlinger und Tim Ruhwandl – die Liste der Rückkehrer, die den „Betriebsunfall Abstieg“ reparieren wollen, ist lang und für die Regionalliga durchaus elitär. Eigentlich hatte auch Fynn Lühr für ein weiteres Jahr zugesagt. Veränderungen im persönlichen Umfeld zwangen ihn aber kurzfristig doch noch dazu, die Panther zu verlassen.
Zum gebliebenen Stamm kommen indessen Neuzugänge, die bei einem Regionalligisten nicht unbedingt zu erwarten waren. Doch Dominik Klein und Steffen Weinhold – die beiden Ex-Internationalen, die als Macher der HG München hinter der Spielgemeinschaft mit Bruck stehen – sowie TuS-Legende Martin Wild haben im Sommer ganze Arbeit geleistet. Mit Luca Krzikalla wurde dabei ein großer Name an die Amper gelotst.
16 Jahre lang lief Krzikalla im Trikot dem SC DHfK Leipzig auf – bis zuletzt in der Bundesliga –, machte dort 2015 den Aufstieg in Deutschlands höchste Spielklasse mit und absolvierte dort mehr als 300 Spiele. Dabei erzielte er 660 Tore, darunter 261 Siebenmeter. Dazu hat der 32-Jährige weitere 89 Zweitligaspiele (226 Tore) in seiner Vita stehen. Nach dem Abstieg der Leipziger in der vergangenen Saison erhielt er beim SC keinen Vertrag mehr.
Das war aber nur ein Faktor, der den Panthern ermöglichte, den gestandenen Profi zu verpflichten. Der zweite: die Familie. Der Name Krzikalle rauschte im Herbst 2022 nicht nur aufgrund seiner sportlichen Leistungen durch den deutschen Blätterwald. Damals hatte sich der gebürtige Großenhainer (Sachsen) als homosexuell geoutet – als erster Spieler einer der vier großen Profiligen in Deutschland.
Weil Krzikallas Partner in München lebt, zieht es den Rechtsaußen nun in den Süden der Republik – und zu den Panthern. „Er hat dafür sogar Angebote anderer Bundesligisten ausgeschlagen“, berichtet der sportliche Leiter Martin Wild. Ein Glücksfall für die Panther.
Weitere vielversprechende Neuzugänge
Aber auch die weiteren Neuzugänge haben es in sich. Neue Nummer eins im Tor dürfte Daniel Drozd werden, der vom TV Gelnhausen kommt. Ausgebildet wurde der 21-jährige gebürtige Krakauer in Kielce, einer der besten Handball-Adressen in Europa. Dort reifte er zum polnischen U20-Nationalspieler und bestritt bereits eine Europameisterschaft. Im Jahr 2024 wechselte er zum Drittligisten TV Gelnhausen – und jetzt, nach zwei Spielzeiten in der 3. Liga, zu den Panthern.
Weitere hochkarätige Zugänge sind Leopold Huber (Tor), Valentin Clarius und Fritz Bitzel (beide Kreisläufer). Huber spielte beim SC DHfK Leipzig vornehmlich in der U23-Mannschaft. Gegen den VfL Gummersbach feierte der gebürtige Münchner aber sein Bundesliga-Debüt. Clarius und Bitzel feierten mit den Junglöwen der Rhein-Neckar Löwen die deutsche Meisterschaft in der A-Jugend-Bundesliga. Clarius bringt sogar Zweitliga-Erfahrung mit an die Amper. Zuletzt spielte der gebürtige Heidelberger beim TuSEM Essen.
Die weiteren Neuzugänge Maximilian Boy-Nieder (HC Erlangen), die finnischen Zwillinge Paavo und Jussi Hofmann (SV Anzing), Torhüter Philipp Häffner (TSV Ismaning) und Rückkehrer Manuel Riemschneider (SV Eichenau) komplettieren den Kader des ebenfalls neuen Trainerduos Stefan Weidinger (Chefcoach) und Florian Fischer (Co-Trainer).
Gelungene Vorbereitungsphase
Die Vorbereitung und Ergebnisse der Testspiele lassen erahnen, dass die Panther ihre Favoritenrolle in der Regionalliga annehmen und ihr auch gerecht werden wollen. Das 41:27 zum Auftakt gegen den Oberligisten TSV Herrsching war freilich noch kein allzu aussagekräftiger Gradmesser. Und beim Regionalliga-Konkurrenten war beim 25:29 noch anfänglicher Sand im Getriebe.
Ein erstes Ausrufezeichen gelang den Panther dann aber gegen den Drittligisten Erlangen-Bruck. Am Ende stand ein überraschend deutlicher 37:30-Erfolg gegen die Franken, die im Vorjahr noch Pflichtspielgegner der Panther waren.
Mit einem Kantersieg, einer erwartbaren Niederlage und einem guten Gefühl kamen die Panther dann aus ihrem Trainingslager im Olympiazentrum Vorarlberg zurück. Beim völlig einseitigen Test gegen den TSV Lindau stand nicht so sehr der 47:18-Sieg im Mittelpunkt, sondern eher die Gaudi. Zu sehen auch daran, dass Panther-Chef Dominik Klein kurzerhand für Lindau auflief – und eine rote Karte kassierte, weil er unter seinem Lindauer Trikot das der Panther trug.
Eine andere Hausnummer war da schon der Alpla HC Hard. Der österreichische Erstligist ist immerhin Teilnehmer am EHF European Cup und bestreitet seine Testspiele ansonsten gegen Größen wie den THW Kiel oder den TBV Lemgo. Ein harter Brocken, gegen den sich die Panther beim 29:35 aber gut verkauften. „Wir waren 50 Minuten auf Augenhöhe“, sagt Brucks Coach Stefan Weidinger, der sich mit dem Trainingslager sehr zufrieden zeigte.
Beim 37:26 gegen Ligakonkurrent Landshut setzten die Panther dann ein großes Ausrufezeichen. Dabei erwischte die Mannschaft von Coach Stefan Weidinger noch einen schwachen Start und lag schnell mit 1:5 hinten. Doch dann übernahmen vor allem Ex-Profi Lucas Krzikalla sowie Kilian Weigl und Konrad Steinbrecher das Ruder. Nach der Panther-Führung nach rund 14 Minuten setzten sich die Hausherren immer mehr ab. Beste Torschützen waren am Ende Krzikalla, Tom Elschner (je sechs Treffer), Alessandro Van de Maele und Weigl (je fünf).
Beim Härtetest – in der Partie ging es ganz schön zur Sache – gegen HT München feierte das Weidinger-Rudel ebenfalls einen 33:30 Sieg. Abgesagt wurde hingegen der geplante finale Test gegen Simbach, doch kurzfristig wurde noch Ersatz gefunden.
Finales Testspiel am Dienstag, 8. September, im Pantherkäfig
Statt gegen Simbach bestreiten die Panther ihr letztes Testspiel vor dem Saisonstart am 20. September gegen Lohr nun am Dienstag, 8. September, gegen den SV Haunstetten. Anwurf gegen den Oberligisten aus dem Augsburger Stadtteil ist um 18.30 Uhr im Pantherkäfig.