Nur vier Tage nach der knappen Niederlage im Aufsteigerduell gegen Wilhelmshaven fahren die Panther schon zum nächsten Duell der Liga-Neulinge: Die Partie im knapp 480 Kilometer entfernten Dessau-Roßlau am Mittwoch, 21. Oktober, ist gleichzeitig das erste Profispiel unter der Woche für die Panther.

Die Gastgeber aus Sachsen-Anhalt als Liga-Neulinge zu bezeichnen, könnte allerdings zu falschen Schlüssen verleiten. Zwar spielte der Dessau-Roßlauer HV 06 in der vergangenen Saison in der 3. Liga. Allerdings ist er in der Gesamtschau durchaus eher ein Zweitliga-Dino mit Erstliga-Erfahrung. Schon von 1992 bis 2011 und von 2016 bis 2019 gehörte der Club der zweithöchsten deutschen Spielklasse an.

Die Sachsen sind bundesweite Auswärtsfahrten unter der Woche also gewöhnt. Für die Panther, die allesamt einem Beruf oder Studium nachgehen, ist eine 480-Kilometer-Fahrt am Mittwoch dagegen eine eher neue Belastung. „Unsere berufstätigen Spieler müssen da ihren Urlaub einsetzen“, sagt Flügelspieler Stephan Seitz. Er selbst hat es da (noch) besser. Der 18-jährige Youngster hat heuer erst sein Abitur gestrickt. „Mein Studium beginnt erst im November“, berichtet Seitz, der gegen Wilhelmshaven mit fünf Toren auf sich aufmerksam gemacht hat.

Aber nicht nur wegen der weiten Fahrt treten die Panther einmal mehr als Außenseiter an. „Auch Dessau-Roßlau hat einen Etat von fast einer Million Euro und knapp 1000 Zuschauer“, sagt Panthercoach Martin Wild. Der Aufsteiger ist mit zwei Siegen und einer Niederlage auch überraschend stark in die Spielzeit gestartet.

Der Aufschwung beim Dessau-Roßlauer HV hat dabei einen Namen: Uwe Jungandreas. Der frühere Bundesligatrainer (Magdeburg und Leipzig) pflegt gute Kontakte im Profihandball und konnte so eine interessante Mischung aus jungen Talenten seiner Ex-Vereine und vier tschechischen Nationalspielern (Jakub Hristka, Tomas Pavlicek, Jan Zahradnicek und Libor Hanisch) formen.

Die Panther fahren aber freilich nicht nach Sachsen-Anhalt, um dort brav die Punkte abzuliefern – schon gar nicht nach dem Mut machenden Auftritt gegen Wilhelmshaven. An den dort sichtbar gewordenen Baustellen – Tempo im Umschaltspiel, Verteidigung der Außenpositionen – wurde gearbeitet. Ansonsten gilt, was Torhüter Stefan Hanemann nach dem Spiel gesagt hat: „Die Tendenz geht nach oben, wir haben in der 2. Bundesliga Fuß gefasst.“ Nun soll sich das langsam auch in Zählbarem manifestieren. Wenn das an einem Mittwochabend in 480 Kilometer Entfernung passiert, wird man das bei den Panthern sicher nicht ablehnen.

Andreas Daschner