Interview: Ulf Bonfert, Jugendleiter TuS FFB Handball

„Wir wollen auch mit der Jugend in den höchsten Spielklassen spielen. Das können wir nur schaffen, wenn wir durch gute Arbeit und Angebote die Jugendlichen begeistern und idealerweise alle erfolgreich in den Herrenbereich überführen.“

2020, in der Hochphase der Corona-Pandemie, hat Ulf Bonfert die Rolle des Jugendleiters der männlichen Handballjugend beim TuS Fürstenfeldbruck übernommen. Ein Gespräch über ein schwieriges Einstiegsjahr, den aktuellen Stand der Dinge und Zukunftsperspektiven.

                       

Ulf, Du bist zwar seit einem Jahr im Amt, coronabedingt ist Dein Einstand aber vielleicht etwas untergegangen. Erlaube mir daher noch die Frage, wie geht es Dir als neuer Jugendleiter?

Es war tatsächlich ein schwieriger Zeitpunkt, den ich mir zu meinem Einstand ausgesucht hatte. Wer konnte aber seinerzeit Anfang 2020 wissen, welches Desaster da auf uns zurollt. Gerne hätte ich mich in meinem ersten Jahr mehr mit Punktspielen und Qualifikationen und echtem Handball beschäftigt. Stattdessen mussten wir Wege finden, wie wir die Kinder virtuell bei der Stange halten. Ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Mannschaftskollegen zumindest ab und an am Bildschirm zu sehen. Eigentlich ihnen einen Ersatz bieten, da keiner wirklich glaubhaft machen kann, dass man vor einem Bildschirm oder einem Handy echtes Handballtraining gestalten kann.

Die Situation war im vergangenen Jahr alles andere als einfach: was waren die größten Herausforderungen?

Als letztes Jahr nach dem Sommer der Trainingsbetrieb wieder starten sollte, war es nicht einfach. Jede Woche kamen gefühlt neue Regeln auf, was erlaubt ist und was nicht. Diese Vorgaben mussten in ein Hygienekonzept übernommen werden. Und praktisch gleichzeitig auch an Trainer, Betreuer, Eltern und Kinder ausgerollt werden. Da war komplette Verwirrung vorprogrammiert. Dass dann auch noch nach 2-3 Spieltagen die Saison abgebrochen wurde, hat sehr weh getan. Schwer zu bemessen, welchen Schaden die betroffene Generation aufgrund der sehr langen Pause ohne sportliche Betätigung genommen hat.

Stichwort Konzept:  Du hast im Sommer auch eines für die Jugendarbeit erstellt und dem Vereinsvorstand vorgestellt. „Die Jungpanther“ heißt das Papier – was ist der Kerngedanke?

Wir haben uns in einer kleinen Arbeitsgruppe zusammengefunden, mit Kollegen aus dem Handball, die wirklich einen großen Erfahrungsschatz mitbrachten, und versucht, eine Struktur zu finden, die die Jugendarbeit beim TuS definieren kann. Ich glaube, es ist wichtig, für eine solche Aufgabe erst mal eine echte Identität zu schaffen. Wofür stehen wir als Verein, als Handballabteilung, aber auch in der Jugendarbeit? Wir waren in den letzten Jahren nämlich nicht sehr erfolgreich, unsere Jugendlichen auch bis hin zur A-Jugend zu begeistern. Zu oft hatten wir in dem Alter nicht mehr genug Spieler, um am Spielbetrieb teilzunehmen. Das fand ich persönlich sehr schade. Denn rein auf dem Papier sind wir der Verein mit der besten Perspektive für einen jungen Spieler in Südbayern. Wir haben drei Herrenmannschaften: 3. Liga, Bayernliga und Bezirksoberliga. Eigentlich können wir für jeden Jugendlichen eine perfekte Auswahl für den Einstieg in den Herrenhandball bieten. Es gab also kurzfristige Dinge, die wir ändern mussten. Allerdings wollten wir auch einen Plan entwickeln, der uns hilft Nachhaltigkeit zu erzeugen. Kerngedanke des Konzeptes ist es, wie wir es schaffen können, jedem Kind bzw. Jugendlichen in unseren Jugendteams die Möglichkeiten zu geben, das Maximale aus seinem handballerischem Talent und Potential zu machen.

Visionen helfen langfristig erfolgreich zu sein – was möchtest Du kurz- bzw. mittelfristig als nächstes angehen bei den Jungpanthern? Wo siehst Du im Moment den größten Handlungsbedarf?

Kurzfristig wollen wir sicherstellen, dass all unsere Jugendteams gute Betreuung bekommen, dass Trainer für die jeweiligen Teams bereitstehen. Diesen Trainern wollen wir auch Zugriff auf das vorhandene Handballwissen im Verein bieten, so dass diese sich auch entwickeln können. Über Zeit wollen wir eine gewisse Kontinuität erreichen: Letztlich wollen wir auch mit der Jugend in den höchsten Spielklassen spielen. Das können wir nur schaffen, wenn wir durch gute Arbeit und Angebote die Jugendlichen begeistern und idealerweise alle erfolgreich in den Herrenbereich überführen.

Immer wieder geht es im Konzeptpapier um „Memories for life“ – was ist die Idee dahinter?

Als Vater von Handball spielenden Söhnen und auch als Vereinsverantwortlicher ist einer der schönsten Momente für mich, wenn es in der Pause oder nach Spielende der Spiele unserer ersten Mannschaft nur so von Kindern wimmelt auf dem Spielfeld. Da ist es hervorragend zu sehen, dass unsere jugendlichen Spieler mit ihren Eltern auch den Samstagabend in der Halle verbringen, dass der Verein und die Familien eine gewisse Symbiose bilden. Wir sind davon überzeugt, dass wir den Kindern über die eigenen Spielerfahrungen hinaus positive Erlebnisse bieten müssen, um sie besser in den Verein integrieren zu können. Dazu gehören spannende Turniererlebnisse, wie zum Beispiel die Turniere in Prag oder Lund, die wir in der Vergangenheit schon angeboten haben, aber auch Teamaktivitäten außerhalb des Handballs, wie z.B. gemeinsame Hüttenausflüge und ähnliches. Ziel muss es sein, dass die Kinder unvergessliche Momente mit dem Handball verbinden und ihm dadurch treu bleiben. Natürlich können all diese Angebote nur gemacht werden, wenn alle Eltern auch bereit sind, sich sehr aktiv dabei einzubringen. Alle Trainer als auch sämtliche Verantwortlichen im Verein sind ehrenamtlich tätig. Somit ist auch unsere Kapazität, die wir hier einbringen können, beschränkt. Ohne die Unterstützung der Eltern bei der Übernahme von Aufgaben wird ein solches Konzept nicht funktionieren können.

Da sprichst Du einen wichtigen Punkt an, in der Regel sind alle Verantwortlichen der Handballjugendabteilung in regulären Jobs gebunden, machen das alles nebenbei. Ein enormer Koordinations- und Arbeitsaufwand, gerade wenn man die Jugendarbeit professionalisieren möchte – ist das in Vereinsform, mit vornehmlich ehrenamtlichen Helfern, überhaupt umsetzbar?

Ich glaube tatsächlich, dass wir in der heutigen Form der Ausführung, einfach auf Grenzen stoßen werden, die wir leider nicht überschreiten können. Die Durchführung unseres Konzeptes, speziell in den Endstufen, erfordert aus meiner Sicht vollkommen fokussierte Koordination und das kann man nur erreichen, wenn man sich exklusiv damit beschäftigen kann. Werden wir jemals die finanziellen Mittel haben, um sowas umzusetzen? Das kann ich aus heutiger Sicht nicht beantworten.

Was steht hier also als nächstes auf dem Programm?

Als nächstes steht der Start in die neue Saison an. Ich bin persönlich sehr froh, dass unsere Kinder endlich wieder in den Spielbetrieb einsteigen können. Alle Mannschaften sind in sehr hohen Spielklassen gemeldet und können sich somit mit den Besten messen. Wenn das operative Geschehen erst mal aufgegleist ist und läuft, finden wir hoffentlich auch die Zeit die zusätzlichen Elemente unserer Konzeption schrittweise ins Leben zu rufen.

Zum Abschluss, wer ist eigentlich Dein Lieblingshandballer? Und Warum?

Mein Lieblingshandballer ist der Schwede Magnus Wislander. Ich finde, er ist absolut zu recht zum Handballer des Jahrhunderts erkoren worden. Ein kompletter Mittespieler – als er älter wurde hat er selbst zum Kreisläufer umgeschult und ist auch da Weltklasse geworden. Immer toll gewesen, ihm zuzuschauen.

Hinweis: Das Interview wurde vor dem Saisonauftakt der Jugendteams am 02./03.10.21 von Lydia Englisch geführt.