TSV-Trainer Dr. Christian Sorger und TuS-Coach Martin Wild, beide Jahrgang 1979, kennen sich bereits seit der Jugend, in der sie schon in zahlreichen Begegnungen mit dem SV 1880 München bzw. TSV München Ost aufeinander getroffen waren und hegen seit der gemeinsamen Schulzeit am Erasmus-Grasser Gymnasium München ein sehr freundschaftliches Verhältnis zueinander. Heute trainieren sie die beiden aktuell führenden Handball-Mannschaften im Münchner Umland und treffen am Samstag mit ihren Teams im Topspiel der Bayernliga aufeinander. handballaktuell hat sie zum Doppelinterview getroffen:

ha: Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf deiner Mannschaft?

MW: Nach den Abgängen der Schlüsselspieler Schmittner, Krauss, Wicha, Wallnitz und Sparn und den Verletzungen von Kilian Schweinsteiger und Andi Knorr in der Vorbereitung, wussten wir ehrlich gesagt nicht genau wo die Reise hingehen würde und vereinzelt wurden Zweifel am Leistungsstand der Mannschaft laut. Zugegebenermaßen war es diesmal auch ein recht schwieriger Prozess und die Mannschaft hat einige Zeit gebraucht um ihre Identität zu finden und eine Hierarchie herauszubilden. Insgesamt fällt das Zwischenfazit aber sicherlich sehr positiv aus und die Jungs haben jedes Lob verdient. Nicht zuletzt die Neuzugänge und Spieler, die aus der Jugend herauskamen haben allesamt einen großen Schritt nach vorne gemacht. Auch Maximilian Lentner hat seine neue Rolle auf Rückraum Mitte voll angenommen. Die Tabellensituation ist ohnehin sehr erfreulich.

CS: Nach der am Ende etwas enttäuschenden aber dafür umso lehrreicheren letzten Saison mit dem 10. Tabellenplatz haben wir uns primär nur einen schnellen Klassenerhalt zum Ziel gesetzt. Dass daraus so ein Lauf geworden ist, hat bei uns niemand so erwartet, obwohl wir natürlich schon wussten, dass wir einen sehr starken Kader haben. Dass wir jetzt nach 14 Spieltagen nicht mehr nach hinten schauen müssen sondern nur noch um eine gute Platzierung kämpfen wollen, ist natürlich eine schöne Ausgangssituation für die Rückrunde.

ha: Wo liegen deiner Meinung nach die Stärken des kommenden Gegners?

CS: Die Brucker Mannschaft besteht aus 15-16 hoch talentierten, technisch hervorragend ausgebildeten jungen Spielern, die von ihrem Trainer Martin Wild das vermutlich umfangreichste Repertoire an taktischen Varianten der ganzen Bayernliga mitbekommen haben. Zudem besitzen die Brucker eine tolle Mischung an unterschiedlichen Spielertypen und können damit quasi jede Situation spielerisch lösen.

MW: Unterhaching hat sicherlich eine der stärksten „ersten Sechs“ in der Liga, die über extrem viel Erfahrung verfügt. Herausragend ist sicherlich das Dreieck um Kreisläufer Johannes Borschel und den Halbspielern Willi Becker und Mathias Salger. Dazu befindet sich Martin Dauhrer auf Rückraum Mitte seit Saisonbeginn in bestechender Form, über die Qualitäten von Erwin Schibschid brauchen wir ohnehin nicht sprechen. Dazu ist eine klare Linie von Coach Christian Sorger zu erkennen, Unterhaching spielt diese Saison einen ausgesprochen disziplinierten, mannschaftsdienlichen Handball und ist dazu in guter physischer Verfassung.

ha: Welchen Spieler des Kontrahenten hättest du gerne in deinem Team?

MW: Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit dem Kader, der mir zur Verfügung steht. Die oben von mir bereits genannten Spieler würden aber sicherlich jedem Bayernligisten gut zu Gesicht stehen. Martin Dauhrer traue ich eine weitere Entwicklung zu. Von Erwin Schibschid mit seiner Bundesligaerfahrung und individuellen Klasse würden aber sicherlich die meisten meiner Jungs profitieren.

CS: Obwohl die meisten meiner Spieler vermutlich den Maxi Dück oder den Andi Knorr wählen würden, würde ich mich für Falk Kolodziej entscheiden. Der ist für mich der talentierteste Nachwuchsspieler der Liga, dem ich den größten Sprung zutraue. Von seiner Dynamik und seiner intuitiven Spielweise erinnert er mich sogar ein bisschen an den jungen Schibschid.

ha: Wer ist Favorit am Samstag?

CS: für mich ist Fürstenfeldbruck als Tabellenführer und Heimmannschaft Favorit. Wir rechnen uns aber durchaus Chancen aus, an einem guten Tag können wir auch gegen Bruck mithalten, wie die vergangenen Spiele bewiesen haben.

MW: Ich gehe von einer sehr offenen Begegnung aus, die beide Teams mit höchster Intensität bestreiten werden. Wir bauen aber natürlich tatsächlich nicht zuletzt auf unsere ausgesprochene Heimstärke. Die letzte Niederlage zu Hause liegt ja bereits 1 1/2 Jahre zurück. Wir sind sehr optimistisch, dass die Serie auch am Samstag halten wird.

ha: Worauf wird es ankommen am Samstag?

CS: Entscheidend wird es sein, wie wir physisch um vom Kopf her in das Spiel finden werden und wie gut wir in der Lage sein werden, die taktischen Aufgaben, vor die Bruck uns stellen wird, mit den richtigen Mitteln zu lösen.

MW: Ich denke auch, dass die Psyche eine sehr entscheidende Rolle spielen wird. Wer besser mit der großen Kulisse zurecht kommt und sein taktisches Konzept durchbringen kann hat gute Karten.

ha: Welches Saisonziel habt ihr?

CS: Wenn wir am Ende der Saison immer noch unter den ersten drei Mannschaften stehen würden, wären mit Sicherheit alle zufrieden. Aber wir werden uns da mit Sicherheit nicht festlegen, dazu kann in einer Halbserie einfach zu viel passieren.

MW: Das Saisonziel ist nach wie vor uns individuell weiter zu entwickeln und die Mannschaft auf ein noch höheres spielerisches Level zu bekommen sowie 40 Punkte zu erreichen.

ha: Wer gewinnt die Meisterschaft?

MW: Da hab ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Waldbüttelbrunn vielleicht. Unterhaching. Oder wir.

CS: Unabhängig vom Ausgang dieses Spiels für mich gibt es keinen anderen Aufstiegskandidaten als Fürstenfeldbruck. Da leg ich mich fest.